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30. April 2021

Der 01. Mai, Tag der Arbeit: über welche Arbeit und welche Arbeiter*innen sprechen wir?

Jedes Jahr aufs Neue macht der 01. Mai einen wichtigen Tag für viele Menschen weltweit sichtbar. Bekannt als Tag der Arbeit oder auch als Internationaler Kampftag der Arbeiter*innenklasse wird dieser Tag seit Ende des 19. Jahrhunderts zum Anlass genommen, um für die Rechte aller Arbeitnehmenden zu demonstrieren und um auf gesellschaftliche Missstände und systemische Ungerechtigkeiten hinzuweisen. Für DaMigra bedeutet der 01. Mai aber auch: Solidarität und Anerkennung für die Arbeiterinnen*, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind!

Das Wort Solidarität befindet sich seit der Corona-Pandemie in einer Hochphase – doch Solidarität mit wem? Auch am Tag der Arbeit müssen wir die kritischen Fragen stellen: welche Arbeit wird heute in den Vordergrund gestellt, und wessen Arbeit wird außen vorgelassen? Insbesondere dieses Jahr ist der 01. Mai relevant(er), denn die Pandemie verstärkt bestehende Ungleichheiten. Frauen*, vor allem migrierte und geflüchtete Frauen*, stehen an vorderster Stelle in der Bekämpfung der Pandemie, da sie in Bereichen der Care Arbeit (Sorge Arbeit), wie in der Pflegebranche, überrepräsentiert sind. Care-Leistungen, d.h. Sorge und Fürsorge im weitesten Sinne, ob unbezahlt, bezahlt, privat oder öffentlich, sind überwiegend von Frauen* geleistete Arbeiten, die weitgehend unbeachtet und unzureichend vergütet bleiben. Die mangelnde gesellschaftliche Anerkennung sowie unterdurchschnittliche wirtschaftliche Vergütung sind ein strukturelles Problem unserer Gesellschaft – darauf müssen wir am 01. Mai eindeutig aufmerksam machen!

Paradoxerweise zeigt sich gerade in Zeiten der Pandemie die Systemrelevanz von genau den Berufen, die gesellschaftliche nicht die Anerkennung bekommen, die Ihnen zusteht. Berufe im Niedriglohnsektor, beispielsweise im Gesundheitssystem, im Reinigungsbereich, in der (frühkindlichen) Erziehung und in der Alten – und Haushaltspflege werden mehrheitlich von migrierten Frauen* ausgeführt. Am Tag der Arbeit muss dies im Vordergrund stehen: Sorgearbeit, ob bezahlt oder unbezahlt, ist Arbeit! Die gesellschaftliche Mehrfachbelastung von Frauen* ist zurzeit immer deutlicher sichtbar, sie leisten im Durchschnitt doppelt so viel Care-Arbeit, also z.B. Haushaltsarbeit oder Kinderbetreuung, wie Männer: der sogenannte Gender Care Gap. Es ist endlich an der Zeit, Fürsorge- und Erziehungstätigkeiten gerecht zu verteilen und angemessen zu entlohnen – durch Wertschätzung, verbesserte Arbeitsbedingungen und materielle Honorierung.

„Die Pandemie hat uns gezeigt, dass noch viel Raum für Veränderung besteht. Während im ersten Lockdown noch für das Pflegepersonal und Verkäufer*innen von Balkonen geklatscht wurde, hört man davon im derzeitigen Dauerlockdown wenig. Doch diesen 01. Mai, den Tag der Arbeit 2021, und die damit verbundene Solidarität sollten wir diesen Arbeiter*innen zusprechen: Sie leisten die Arbeit, die unsere Gesellschaft aufrechterhält!“, so Dr. Delal Atmaca, Geschäftsführerin von DaMigra.

Dazu kommt, dass Frauen* eine unverändert schlechtere Stellung auf dem Arbeitsmarkt haben. Insbesondere die Geschlechter-Lohnlücke (auch Gender Pay Gap genannt) zeigt, wie weit wir von Gleichberechtigung entfernt sind: Frauen* arbeiten fast 77 Tage im Jahr unbezahlt im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. Für Migrantinnen* verlängert sich der Zeitraum entsprechend, die Lohnlücke zwischen herkunftsdeutschen Frauen* und Migrantinnen* liegt nochmal bei 20 Prozent. Das nennt sich Migration Gender-Pay-Gap. Somit muss der 01. Mai besonders in Bezug auf Migration betrachtet werden. Migrantische Arbeitskämpfe sind besonders von Ausbeutung betroffen: Migrierte Arbeiter*innen, vor allem Frauen*, arbeiten häufiger für niedrige Löhne und in prekären, ungesicherten Arbeitsverhältnissen. Sie arbeiten in der Pflege, in den Schulen, in den Kitas – Berufe, die gesellschaftlich abgewertet werden und dessen Relevanz unsichtbar gemacht wird. Am 01. Mai müssen besonders die Interessen von arbeitenden, migrierten und geflüchteten Frauen* vertreten werden, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind. Ihre Interessen müssen wir in den Vordergrund rücken, denn es sind überwiegend sie, die von Rassismus, Sexismus und Klassismus betroffen sind – das Unsichtbare muss Sichtbar gemacht werden.

Der 01. Mai muss also als ein Tag verstanden werden, an welchem die Realitäten und Erfahrungen von Frauen* und Menschen, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind, in den Vordergrund gestellt werden. Zum 01. Mai sagt DaMigra: Klassen- und Herkunftsübergreifende Solidarität ist unabdingbar, in Zeiten der Pandemie als auch in einer post-pandemischen Gesellschaft!

DaMigra e.V., Dachverband der Migrantinnenorganisationen, ist die Interessenvertretung von Migrantinnenselbstorganisationen und ihren Belangen. Mit bundesweit über 70 Mitgliedsorganisationen aus unterschiedlichen Herkunftsländern steht der Verband als Ansprechpartnerin für Politik, Wirtschaft und Medien zur Verfügung, bietet Handlungsempfehlungen und kritische Begleitung von migrationspolitischen Prozessen. DaMigra e.V. setzt sich für Chancengerechtigkeit, Gleichberechtigung und für die Gleichstellung von Frauen* mit Flucht- und Migrationsgeschichte in Deutschland ein.

Pressemeldung hier downloaden

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