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Der Equal Care Day zwischen Gender und Migration – Wie globale „Careketten“ Ausbeutung von Arbeitsmigrantinnen weltweit aufrechterhalten!

Der Equal Care Day, jährlich am 29.02. oder ausweichend am 01.03., macht auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Sorge- und Pflegearbeit aufmerksam. Der 29. Februar ist nicht zufällig gewählt; er ist so selten wie die Wertschätzung selbst. Dabei darf nicht vergessen werden: Fürsorge ist nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch entlang globaler Armutsachsen ungerecht verteilt!

Wenn wir dem Equal Care Day heute tatsächlich gerecht werden möchten, dürfen wir ihn nicht nur im Zuge von Gender betrachten, sondern müssen auch den Aspekt der Migration im Blick haben. Es reicht nicht, jedes Jahr aufs Neue zu wiederholen, was wir alle längst wissen: Frauen verwenden mehr Zeit als Männer für unbezahlte Sorgearbeit und stemmen zusätzlich den Mammutanteil im beruflichen Sektor der Care-Arbeit. Was wir aber auch brauchen, ist Bewusstsein für die Tatsache, dass Care-Arbeit mit globalen Migrationsprozessen verknüpft ist.

„Während der globale Norden emotional und ökonomisch von der Beschäftigung einer Migrantin profitiert, erfährt sie selbst weder faire Bezahlung noch eine angemessene Anerkennung. Dass Pflegearbeiterinnen aus Osteuropa und dem globalen Süden als „preiswerte Ressource“ angesehen werden, zeigt einmal mehr, für wen hierzulande Gleichstellungspolitik gemacht wird bzw. für wen Frauenrechte gelten, mahnt Lourdes Martínez, Vorstandssprecherin von DaMigra e.V.

Die Unsichtbarkeit von Care-Arbeit wurde zwar öffentlich – z.B. durch den (rein symbolischen) Applaus während der Pandemie – problematisiert, aber es wurde und wird vergessen, welcher Teil der Last bei migrieren und geflüchteten Frauen liegt. Besonders in den (unter-)bezahlten Pflegeberufen ist ihr Anteil hoch. Verantwortlich hierfür sind unter anderem Globale „Careketten“, die im Grunde koloniale Ausbeutung fortführen. Während Migrantinnen Betreuungs- und Pflegeaufgaben im Zielland übernehmen, bleiben ihre eigenen Kinder im Heimatland. Dort werden sie von (weiblichen) Angehörigen, Nachbarinnen oder schlecht entlohnten Angestellten umsorgt. Die Sorgearbeit verschiebt sich also emotional und wirtschaftlich auf andere Frauen.

Teil dieser „Careketten“ ist zudem die ausbeuterische Realität, die Arbeitsmigrantinnen im Zielland erwartet. Sie kommen nach Europa und Deutschland, um die steigende Nachfrage in Care-Arbeit zu bedienen – und landen in prekären Arbeitsverhältnissen. Die wirtschaftlich entwickelten Länder bereichern sich nicht nur an der Arbeitskraft der Migrantinnen, sondern werten sie dabei auch noch ab. Hier müssen wir hinschauen und unseren Fokus legen! Faire Löhne, gute und gesunde Arbeitsbedingungen müssen auch für Frauen in Arbeitsmigration gelten. So sieht es auch das Übereinkommen Nr. 190 der Internationalen Arbeitsorganisation zur Beseitigung von Gewalt in der Arbeitswelt vor!

Wir fordern globale Solidarität und klare Bemühungen von Deutschland und Europa, um die „Careketten“ gerechter zu gestalten und die kolonial bedingten Abhängigkeiten zu überwinden. Dazu zählt die Anerkennung der Sorgearbeit, aber auch internationale Standards für Care-Arbeit. Zur Erinnerung: Zielsetzung 8 der Agenda 2030 der Vereinten Nationen sieht insbesondere für migrantische Leiharbeitnehmerinnen den Schutz der Arbeitsrechte sowie eine sichere Arbeitsumgebung vor. Die Realität sieht anders aus.

DaMigra e.V. ist die Interessenvertretung von Migrantinnenselbstorganisationen und ihren Belangen und setzt sich für Chancengerechtigkeit, gleichberechtigte Teilhabe und für die Gleichstellung von Frauen mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrung in Deutschland ein. DaMigra verfolgt den Ansatz des Antirassistischen Feminismus.

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