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Equal Care Day 2023 – mehr Sichtbarkeit auch für Migrantinnen & geflüchtete Frauen?

Berlin, 01.03.2023. Heute ist Equal Care Day, ein Aktionstag, der auf die mangelnde Wertschätzung und unfaire Verteilung von Fürsorgearbeit, Pflege- und Sorgearbeit aufmerksam macht. Aber auch Care Arbeit betrifft nicht alle Frauen gleich. 

Jedes Jahr beleuchtet der Equal Care Day am 29.02. oder 01.03., wie uns Care Arbeit alle betrifft. Nicht nur für unbezahlte Sorgearbeit verwenden Frauen mehr Zeit als Männer, sondern auch der Mammutteil der beruflichen Care-Arbeit in Deutschland wird von Frauen geleistet. Ob in Kindertagesstätten, privaten Pflegediensten, Krankenhäusern oder im Reinigungswesen – im Gesamtdurchschnitt leisten sie 84 Prozent. Und es ist davon auszugehen, dass diese Zahlen aufgrund der Corona-Pandemie nur weiter gestiegen sind, denn Corona hat uns vor Augen geführt, wer „systemrelevant“ ist. Aber mehr als Applaus ist nicht passiert.

Frauen, besonders mit Migrations- oder Fluchthintergrund, tragen die Hauptlast von Care-Arbeit. Sowohl im privaten als auch im Lohnarbeitssektor sind über viermal mehr Frauen als Männer in den klassischen Fürsorgebereichen tätig, und dort meist im Niedriglohnsektor. Und eben gerade im Niedriglohnsektor ist der Anteil an Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte enorm hoch. Deutschland hat den größten Niedriglohnsektor der EU und Frauen in prekären Arbeitsbedingungen verdienen oft noch nicht mal den Mindestlohn. Ihre Abschlüsse werden nicht anerkannt, ihre Berufserfahrung wird nicht angerechnet, oft arbeiten sie mehrere Mini-Jobs oder Teilzeit, um sich und ihre Familie über Wasser zu halten. Das heißt also auch: Frauen, insbesondere mit Flucht- und Migrationsgeschichte, zahlen am Ende ihres Lebens auch noch für ihre eigene Benachteiligung, weil sie wenig Rente bekommen. Dies gilt umso mehr für Migrantinnen und geflüchtete Frauen, die neben Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts alltäglich weitere institutionelle und strukturelle Diskriminierungen erfahren.

Diese alltägliche Realität ist vielfältig: der Abschluss einer ausgebildeten Pflegekraft wird nicht anerkannt, sie muss drei Jobs in der Reinigung arbeiten, obwohl sie qualifizierter ist als viele andere. Die älteren Geschwister müssen die jüngeren von der Kita abholen oder beim Elternabend die Verantwortlichkeit übernehmen. Der Staat lässt sie im Stich, und im gleichen Prozess sind sie noch rassifizierten und kulturalisierten Zuschreibungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Die Teilnahme am Nachbarschaftstreff oder das Einbringen in einer politischen Partei sind dann Träume, die im Nebel der Realität verblassen.

„Diese Ungleichheit zu ändern, bedeutet also mehr als eine kleine Korrektur oder ein bisschen Umverteilung. Nur wenn Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern gerecht aufgeteilt wird, haben alle gleichermaßen die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe, politisch und wirtschaftlich, in Kultur und Wissenschaft, beruflich und privat – auf allen Ebenen. Care Work ist nicht privat, sondern politisch!“, so Rudaba Badakhshi, Regionalkoordinatorin des Projektes Gemeinsam MUTig von DaMigra, welches sich für die faire gesamtgesellschaftliche Teilhabe von Frauen mit Flucht – und Migrationserfahrungen einsetzt.

Die Realität und die Statistiken zeigen uns: Veränderung muss kommen. Gesellschaft und Politik dürfen Sorgearbeit nicht einfach nur anerkennen und Applaus vom Balkon reicht uns nicht. Wir fordern höhere Löhne, insbesondere im Niedriglohnsektor und strukturelle Bekämpfung von Prekarität auf dem Arbeitsmarkt durch Gesetzgebung. Zeit, nicht mehr die Profitmaximierung, sondern die Bedürfnisse von Menschen ins Zentrum zu stellen. Nur eine solche Alternative wird dafür sorgen, dass sich Care Arbeit, ob bezahlt oder unbezahlt, nicht nach weiterhin an rassifizierten, geschlechtlichen oder klassenbezogenen Strukturen verteilt.

DaMigra e.V. ist die Interessenvertretung von Migrantinnenselbstorganisationen und ihren Belangen und setzt sich für Chancengerechtigkeit, gleichberechtigte Teilhabe und für die Gleichstellung von Frauen mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrung in Deutschland ein. DaMigra verfolgt den Ansatz des Antirassistischen Feminismus.

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