18. März 2018

Equal Pay für Migrantinnen* – erst im Sommer?

Mehrfachdiskriminierung macht sich auf dem Arbeitsmarkt und im Geldbeutel bemerkbar

21 Prozent – so groß ist der Lohnunterschied zwischen Frauen* und Männern* laut Statistischem Bundesamt derzeit in Deutschland. Der Dachverband der Migrantinnen*organisationen (DaMigra e.V.) weist anlässlich des Equal Pay Day am 18. März darauf hin, dass Migrantinnen* noch weitaus stärker von Lohndiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt betroffen sind, als herkunftsdeutsche Frauen. Schon 2008 zeigte eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, dass die Lohnlücke zwischen herkunftsdeutschen Männern* und Migrantinnen* bei 11, und herkunftsdeutschen Frauen* und Migrantinnen* bei 20 Prozent liegt. Addiert man Geschlechterlohnlüche zu Migrationslohnlücke, so kommt man auf die wahren Dimensionen der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt.

Die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt gegenüber Frauen* mit Migrations- und Fluchtgeschichte ist strukturell. So sind Migrantinnen* etwa besonders oft im Niedriglohnsektor beschäftigt – auch wenn sie oft sehr gut qualifiziert sind. Auch Probleme bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse verhindern den Zugang zum Arbeitsmarkt. DaMigra macht darauf aufmerksam, dass die Anerkennungsquoten ausländischer Abschlüsse in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sind. Und: Für bestimmte Berufsgruppen, wie etwa Lehrer*innen, Ingenieur*innen oder Erzieher*innen, gibt es keine bundesweit einheitliche Regelung zur Anerkennung der Berufsausbildung. Stattdessen variieren die Prozesse zwischen den Bundesländern und auch die Quote der vollständig anerkannten Abschlüsse bewegt sich zwischen 36% in Berlin und Brandenburg und 80% in Thüringen. „Diese Anerkennungsprozesse müssen endlich vereinheitlicht werden,“ fordert DaMigra Geschäftsführerin Dr. Delal Atmaca. „Es kann nicht angehen, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Abschluss anerkannt zu bekommen vom Bundesland abhängt, in dem man lebt. Außerdem muss sichergestellt werden, dass die Informationsstellen vor Ort auch interkulturell kompetent sind.“

Ein weiteres Problem bei der Arbeitsmarktintegration: Es gibt kaum spezifische Angebote für geflüchtete Frauen, obwohl deren Erwerbsbeteiligung deutlich niedriger ist, als die geflüchteter Männer. „Viele dieser Frauen* waren vor ihrer Flucht berufstätig oder selbstständig. Im Zuge der Migration gelangen sie dann in Abhängigkeitsverhältnisse und finden sich oft in traditionellen Geschlechterrollen wieder. Ohne staatliche Hilfen können sie sich selbst und ihre Familien nicht mehr versorgen“, so Dr. Atmaca. „Diese Frauen* müssen ihre Fähigkeiten endlich wieder einsetzen können und so mehr Unabhängigkeit gewinnen.“ Außerdem: Bei Frauen* mit Flucht- und Migrationsgeschichte mit Hochschlussabschlüssen kommen die Vorurteile aufgrund ihrer ethnischen und religiösen Identität hinzu, dass sie für unqualifiziert und bevormundet gehalten und in passiven Rollen gedrängt werden.

Equal Pay Day für Herkunftsdeutsche ist am 18. März. Aufgrund der Migrationslohnlücke arbeiten Migrantinnen* fast 77 Tage im Jahr umsonst. Kommt der Equal Pay Day für alle erst im Sommer? Wenn wir am Equal Pay Day über gleiche und gerechte Löhne diskutieren, müssen wir diese für ALLE Frauen* einfordern! DaMigra pocht nicht nur auf einen gleichen und gerechten Lohn für Frauen* und Männer*, Migrant*innen und Herkunftsdeutsche, sondern dringt auch auf einfacherer und einheitliche Zugänge zum Arbeitsmarkt.

31. März 2020

Die Pandemie kennt keine Grenzen und keine Nationalitäten. Die rückständigen Kräfte, die seit Langem mehr Abschottung und Nationalismus fordern, nutzen sie jedoch für ihre populistischen Zwecke. Ihre Propaganda trifft auf eine politische Zeit, in der die Beschneidung von Grundrechten von einem großen Teil der Bevölkerung ohne Aufschrei hingenommen wird und „Zuhause bleiben“ zum gefeierten Wort der Stunde wird. Aber: Zuhause bleiben ist ein Privileg. Tausende von Menschen werden gezwungen, in Lagern zu leben, weil sie ihr Zuhause aufgrund von Krieg oder Verfolgung verloren haben. Andere müssen weiterhin in unterbezahlten und risikoreichen Bereichen schuften, um die Grundversorgung der Bevölkerung und der eigenen Familie zu ermöglichen.

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20. März 2020

„Die Maßnahmen der Politik zur Eindämmung von COVID-19 offenbaren einmal mehr, wie in unserer Gesellschaft mit zweierlei Maß gemessen wird“, so Dr. Delal Atmaca, Geschäftsführerin von DaMigra e.V. „Während auf der einen Seite zu sozialer Distanzierung und eingeschränkter Mobilität aufgerufen wird, werden Abschiebungen nach Afghanistan durchgeführt und geflüchtete Menschen in Lagern gezwungen, auf engstem Raum zusammenzuleben. Die Bundesregierung muss agieren, und endlich eine menschenwürdige dezentrale Unterbringung ermöglichen.“

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19. März 2020

Wir mit müssen mit denen solidarisch sein, die von der Coronavirus-Krise am stärksten betroffen sind. Das sind schwache, kranke und ältere Menschen und die Menschen, die zum Teil seit Jahren an den Außengrenzen in Erstaufnahmelagern unter unzumutbaren Bedingungen festsitzen. Diese Menschen sind oft durch die menschenunwürdigen Bedingungen ohnehin geschwächt. Diese Menschen können keinen Abstand untereinander halten, weil die Lager überfüllt sind. Diese Menschen können keine Hygienemaßnahmen für sich umsetzen, weil die Lager nicht ausreichend mit sanitären Anlagen ausgestattet sind. Diese Menschen haben wenige bis keine Informationen, wie sie sich schützen können. Für die von der Maßnahme betroffenen Menschen, darunter zahlreiche Frauen* und Kinder, ist die Aussetzung der humanitären Aufnahme katastrophal, die Folgen sind kaum absehbar. Wenn wir die Welt zu einer Festung machen und diese Menschen nicht mitnehmen, haben wir alle als Menschen versagt.

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