fb

ig
tw
14. Juli 2021

Gendersensible Sprache gestaltet unsere Realität

Es gibt nicht Frauen und Frauen* – Frauen sind Frauen!

“Oppressive language does more than represent violence; it is violence;
it does more than represent the limits of knowledge; it limits knowledge
.“
(Toni Morrison, 1993)

Gendersensible Sprache ist nicht hip oder modern – im Gegenteil, unser Sprachgebrauch gestaltet die Gesellschaft, in der wir leben. Deswegen liegt uns eine intersektionale, inklusive und gendersensible Sprache sehr am Herzen. Der Genderstern, oder das Sternchen, kämpft gegen die Vorherrschaft des sprachlichen, generischen Maskulinums und setzt sich dafür ein, die in unserer Gesellschaft vielfältig existierenden Geschlechter auch in der Sprache sichtbar zu machen.

Jedoch haben wir in der letzten Zeit viel dazu gelernt und wollen in diesem Statement erklären, warum wir unsere Schreibweise verändern. Anstatt Frauen* zu schreiben, schreiben wir ab jetzt nur noch Frauen – und distanzieren uns von dem Sternchen. Denn genauso wie wir das Sternchen verwenden, um Freund*innen zu sagen, haben wir den Genderstern hinter bzw. an die Begriffe Frau und Mann gehängt. Darin war besonders das Ziel, alle Menschen einschließen zu wollen, die sich als Frau definieren, die Frauen sind, aber denen oft das Frau-Sein abgesprochen wird. Denn hier gibt es zwei wichtige Ebenen: auf der einen Seite gibt es die Fremdzuschreibung, z.B. bei der Geburt, die oft auf unserem biologischen Geschlecht (eng: Sex) basiert. Dann gibt es aber auch die Selbstbezeichnung oder Selbstidentifikation – diese beinhaltet oft unsere Geschlechtsidentität. Die Selbstbezeichnung ist die ausschlaggebende: es ist und bleibt das Selbstbestimmungsrecht eines jeden Menschen, zu entscheiden, wer er*sie ist.

2015/2016 haben wir das Sternchen hinter Frauen eingeführt – und Frauen* geschrieben. Das Sternchen war damals in unserer, aber auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung, ein inklusiver Sprachmechanismus, welcher die soziale Konstruiertheit der Geschlechtszuschreibung hervorheben sollte. Das Sternchen sollte zeigen, dass Kategorien wie Mann- und Frau-Sein nicht „natürlich“ sind, sondern in einem Prozess geschlechtlicher Sozialisierung erlernt und angeeignet werden.

Aber alle Menschen, die sich als Frauen definieren, sind Frauen. Es braucht es kein Sonderzeichen oder Sternchen, um dies herauszustellen! Das Sternchen, obwohl es mal inklusiv gemeint war, öffnet hingegen den Diskurs für misogyne, transfeindliche Ausschlüsse. Denn das Sternchen hinter Frauen zieht eine biologische Grenze und unterscheidet zum Beispiel zwischen „echten Frauen“ (Frauen) und „trans Frauen“ (Frauen*). Das hört sich provokant an, ist jedoch für trans Personen eine Realität – das Sternchen wird nämlich auch von transfeindlichen Menschen und Bewegungen bewusst verwendet, um ihnen ihr Selbstbestimmungsrecht abzusprechen.

Dadurch wird, ob gewollt oder ungewollt, impliziert, dass trans Frauen eigentlich keine „richtigen“ Frauen sind, was die Verwendung des Sternchens in diesem Kontext als transmisogyn entlarvt. Jedoch ist der einzige Unterschied zwischen cis-Personen und trans Personen die Tatsache, dass cis-Personen Menschen sind, deren körperliche Merkmale, soziale Zuschreibung und individuelles Empfinden deckungsgleich sind, während trans Personen dieses Privileg nicht haben und sich konstant erkämpfen müssen.

Es zeigt erneut, wie wichtig der Kampf für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft ist und wie wandelbar unsere Sprache ist. Es nichts Wichtigeres gibt, als den Betroffenen zuzuhören. Denn bedingungslose Solidarität beutet auch, sich an die eigene Nase zu fassen, sich zu hinterfragen und das eigene Verhalten zu verändern. Denn was auf den ersten Moment inklusiv wirkt, wirft auf den zweiten Blick die Frage auf: Wer sind eigentlich Frauen*? Uns ist mit dieser Fragestellung bewusst geworden, dass das Sternchen nicht wie erhofft eine inklusivere Sprache bewirkt, sondern Inklusion vorgaukelt, die für Betroffene aber Exklusion bedeutet. Das Sternchen kann somit auch Menschen gewaltvoll in Kategorien zwingen, in die sie nicht gehören.

Wir bedanken uns sehr für die Hinweise und Zuschriften aus unserer Community hierzu, die uns unermüdlich auf Social Media auf diese Problematik hingewiesen haben. Wir entschuldigen uns bei allen Menschen, die wir durch unseren Sprachgebrauch verletzt oder exkludiert haben. Das war niemals unsere Intention. Selbstverständlich werden wir weiterhin unsere Sprache mit einem Stern gendern, z.B. Mitstreiter*innen oder Gäst*innen sagen, um ALLE Menschen mit einzubeziehen.

Uns ist eins besonders wichtig: wir müssen uns immer wieder genau und themenspezifisch überlegen, wen wir mit welchen Bezeichnungen genau meinen. Unsere wichtige Erkenntnis ist nach wie vor: zuhören, reflektieren, ändern! Denn ein intersektionaler, antirassistischer Feminismus ist nur dann ehrlich, wenn dieser solidarisch mit allen, die von Diskriminierung und Unterdrückung betroffen sind, Seite an Seite kämpft.

22. Juli 2021

FÜNF JAHRE SEIT DEM RASSISTISCHEN ANSCHLAG VON MÜNCHEN Am 22. Juli 2021 jährt sich der rassistische Anschlag am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) zum fünften …

weiterlesen

1. Juli 2021

TAG GEGEN ANTIMUSLIMISCHEN RASSISMUS Am 01. Juli 2009 wurde Marwa El-Sherbini im Dresdner Landgericht ermordet, als sie nach ihrer Zeug*innenaussage das Gebäude verlassen …

weiterlesen

1. Juli 2021

Bereits Ende März 2021 kündigte die Türkei den Austritt aus der Istanbul-Konvention an – kein überraschender Schritt, aber ein schwerer Rückschlag für den …

weiterlesen

MUT-MACHERINNEN*
Würselen, 06. August 2021

DaMigra e.V. lädt im Rahmen des MUT-Macherinnen*-Projekts und in Kooperation mit Türöffner e.V. herzlich ...

weiterlesen

MUT-MACHERINNEN*
Stralsund, 06. August 2021

Frauen-Frühstück für Migrantinnen, geflüchtete Frauen und Ehrenamtlerinnen. Wir treffen uns im DaMigra-Büro Stralsund, um ...

weiterlesen

MUT-MACHERINNEN*
Würselen, 07. August 2021

DaMigra e.V. lädt im Rahmen des MUT-Macherinnen*-Projekts und in Kooperation mit Türöffner e.V. herzlich ...

weiterlesen