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27. April 2021

Hindernisse für geflüchtete Frauen – Frankfurter Rundschau

Frankfurter Rundschau am 26.04.2021. Ein Artikel von Steffen Herrmann.

Hindernisse für geflüchtete Frauen

Sorgearbeit und fehlende Sprachkenntnisse benachteiligen Migrantinnen

Die Integration geflüchteter Frauen in den deutschen Arbeitsmarkt verläuft schleppend. Das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Die Fachleute haben untersucht, wie schnell Geflüchtete, die zwischen 2013 und 2016 nach Deutschland kamen, Arbeit finden. Das Ergebnis: Nach fünf Jahren waren rund 60 Prozent der Männer erwerbstätig, aber nur 28 Prozent der Frauen.

Ein Grund für die Geschlechterlücke: Die Frauen arbeiteten in ihrem Herkunftsland häufiger im Bildungs- und Gesundheitssektor. Was sie dort lernten, lasse sich nicht so leicht auf den deutschen Arbeitsmarkt übertragen, schreiben die IAB-Fachleute. Auch wegen fehlender Sprachkenntnisse.

„Ein weiteres Hindernis für die Arbeitsmarktintegration geflüchteter Frauen ist, dass knapp drei Viertel von ihnen (oft kleine) Kinder haben“, heißt es in der Studie. Die Frauen kümmern sich mehrheitlich um die Kinder. Deshalb können sie einerseits nur schwer einer Lohnarbeit nachgehen und haben andererseits Probleme, Sprachkurse ohne größere
Fehlzeiten zu besuchen.

„Für Frauen gibt es eindeutig mehr Hindernisse“, sagt auch Christiane Carstensen vom Berufsverband für Integrations- und Berufssprachkurse (BVIB). In der Pandemie seien diese Hindernisse größer geworden. Wegen fehlender Betreuungsangebote könnten viele Frauen nicht an den Sprachkursen teilnehmen. Hinzu komme die fehlende Digitalisierung, sagt Carstensen: Insbesondere Kurse für Menschen, die nicht lesen oder schreiben können, seien seltener in den Online-Unterricht gewechselt.

Der Dachverband der Migrantinnenorganisationen (DaMigra) warnt deshalb vor einer zunehmenden Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt. „Viele Frauen, mit denen Damigra und ihre Mitgliedsorganisationen in Kontakt stehen, konnten ihre Ausbildungsplätze nicht antreten, haben aufgrund von Minijobverträgen keinen Anspruch auf Kurzarbeiterinnen-Geld oder wurden in ihren Anstellungsverhältnissen nicht verlängert oder gekündigt.“

„Unverzichtbare Arbeit“

Auch der Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat (BZI) beobachtet diese Benachteiligung. Der BZI fordert deshalb eine Beratung, die auch Flucht- und Migrationserfahrungen einblendet. Außerdem brauche es eine „inklusive Teilhabekultur, die geflüchteten Frauen mehr Chancen in der Karriere einräumt und die ihre Arbeit, die oft unsichtbar und unbezahlt bleibt, anerkennt“, sagte der BZI-Vorsitzende Memet Kilic der FR. Für Damigra braucht es vor allem Anerkennung: „Die unverzichtbare Arbeit von Frauen, die das Fundament unserer Gesellschaft bildet, muss durch eine konsequente Gleichstellungspolitik, Gender-Budgeting und gleiche Bezahlung gestärkt werden.“

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