27. Januar 2020

Im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Der Dachverband der Migrantinnen*organisationen – DaMigra – gedenkt an diesem Tag den Millionen Opfern des Holocaust. Mehrheitlich europäische Juden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung und des LGBTQ+-Spektrums und unzählige Weitere wurden verfolgt und ermordet, weil die Politik und die Ideologie der Nationalsozialisten das Leben dieser Menschen als „lebensunwert“ erklärten.

Ellen Rublow vom Frauenverein BeReshith e. V. zitiert die Zeitzeugin und Autorin Anita Lasker-Wallfisch: „Die Chance, das Ende des Krieges zu erleben, wenn man Häftling von Auschwitz, Belsen oder jedem anderen KZ war, war minimal. Wenn man dennoch überlebte und den Tag der Befreiung sah, hat man ganz einfach Glück gehabt. Man war ein Überlebender, mit all dem, was in diesem kleinen Wort enthalten ist. […] Als Zeuge der unbeschreiblichen Exzesse von Grausamkeit, die man heute HOLOCAUST nennt, ist man irgendwie automatisch isoliert. Man lebt in einer Art von Fegefeuer, und ich habe längst akzeptiert, daß es ganz einfach Menschen gibt, die »wissen«, und Menschen, die »nicht wissen«.

Doch die Gräueltaten des Holocaust dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Die grausamen Verbrechen und Morde der Nationalsozialisten mögen weit entfernt erscheinen, umso wichtiger ist unser Gedenken an die Menschen, die Opfer von Antisemitismus und Rassismus geworden sind; denn die Bedrohung durch diese Ideologien ist auch im Jahr 2020 (wieder) allgegenwärtig.

Es ist eine Schande, wenn Jüdische Institutionen im Jahr 2020 polizeilich geschützt werden müssen, weil ihnen rechte Gewalt droht.

Unzählige Angriffe und Anschläge, wie dem am 9. Oktober 2019 auf eine Synagoge in Halle und die willkürliche Erschießung von zwei Menschen vor der Synagoge und in einem Döner-Imbiss, führen das Ausmaß des heutigen Antisemitismus und Rassismus hierzulande deutlich vor Augen. Diese Angriffe sind keine Einzeltäterdelikte, sondern entspringen gewaltbereiten, rechtsextremen Strukturen. Ihre Ideologen hetzen täglich gegen „Geflüchtete“ und „Ausländer“ und gegen andersdenkende und handelnde Menschen, die für eine demokratische und emanzipierte Gesellschaft einstehen. Immer wieder werden unschuldige Menschen beleidigt, bedroht, angegriffen oder ermordet.

Als offene, demokratische Gesellschaft können wir dies nicht dulden! Wir müssen sowohl eine Erinnerungskultur sichern, als auch täglich wachsam sein, eingreifen und politisch sein, um mit vereinten Kräften solidarisch gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung einzustehen.

So auch der Appell unserer Mitgliedsorganisation Romane Romnja, Initiative von und für Frauen: Seit 1996 ist in Deutschland der 27. Januar ein internationaler Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Umso notwendiger ist dieser Gedenktag in schwierigen politischen Zeiten als Erinnerung, als Brücke um zusammenzufinden und als Brücke für uns Alle in die Zukunft.

Nicht zuletzt finden die Schicksale der Frauen* im Nationalsozialismus bis heute noch immer zu wenig Beachtung.
„Es wurde in den letzten Jahrzehnten europaweit zu wenig an die Schicksale der Frauen im Nationalsozialismus erinnert; insbesondere der Frauen, die zur Minderheit der Sintizze und Romnja gehören. Die Politik und auch die Minderheit selbst haben vieles versäumt, denn es sind viele Jahrzehnte vergangen und Zeitzeuginnen sind kaum befragt worden oder fanden bislang keine Berücksichtigung. Daher ist es dringend notwendig, die wenigen Zeitzeuginnen*, die noch da sind, zu dokumentieren. Sintizze und Romnja müssen gehört werden und Öffentlichkeit bekommen; auch um dem rückschrittlichen Frauenbild, welches oft in den Medien und in der Kunst dargestellt wird, entgegenzuwirken.“, erklärt Gordana Herold der Initiative Romane Romnja.

 

Meldung zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.pdf

31. März 2020

Die Pandemie kennt keine Grenzen und keine Nationalitäten. Die rückständigen Kräfte, die seit Langem mehr Abschottung und Nationalismus fordern, nutzen sie jedoch für ihre populistischen Zwecke. Ihre Propaganda trifft auf eine politische Zeit, in der die Beschneidung von Grundrechten von einem großen Teil der Bevölkerung ohne Aufschrei hingenommen wird und „Zuhause bleiben“ zum gefeierten Wort der Stunde wird. Aber: Zuhause bleiben ist ein Privileg. Tausende von Menschen werden gezwungen, in Lagern zu leben, weil sie ihr Zuhause aufgrund von Krieg oder Verfolgung verloren haben. Andere müssen weiterhin in unterbezahlten und risikoreichen Bereichen schuften, um die Grundversorgung der Bevölkerung und der eigenen Familie zu ermöglichen.

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20. März 2020

„Die Maßnahmen der Politik zur Eindämmung von COVID-19 offenbaren einmal mehr, wie in unserer Gesellschaft mit zweierlei Maß gemessen wird“, so Dr. Delal Atmaca, Geschäftsführerin von DaMigra e.V. „Während auf der einen Seite zu sozialer Distanzierung und eingeschränkter Mobilität aufgerufen wird, werden Abschiebungen nach Afghanistan durchgeführt und geflüchtete Menschen in Lagern gezwungen, auf engstem Raum zusammenzuleben. Die Bundesregierung muss agieren, und endlich eine menschenwürdige dezentrale Unterbringung ermöglichen.“

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19. März 2020

Wir mit müssen mit denen solidarisch sein, die von der Coronavirus-Krise am stärksten betroffen sind. Das sind schwache, kranke und ältere Menschen und die Menschen, die zum Teil seit Jahren an den Außengrenzen in Erstaufnahmelagern unter unzumutbaren Bedingungen festsitzen. Diese Menschen sind oft durch die menschenunwürdigen Bedingungen ohnehin geschwächt. Diese Menschen können keinen Abstand untereinander halten, weil die Lager überfüllt sind. Diese Menschen können keine Hygienemaßnahmen für sich umsetzen, weil die Lager nicht ausreichend mit sanitären Anlagen ausgestattet sind. Diese Menschen haben wenige bis keine Informationen, wie sie sich schützen können. Für die von der Maßnahme betroffenen Menschen, darunter zahlreiche Frauen* und Kinder, ist die Aussetzung der humanitären Aufnahme katastrophal, die Folgen sind kaum absehbar. Wenn wir die Welt zu einer Festung machen und diese Menschen nicht mitnehmen, haben wir alle als Menschen versagt.

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