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Im Schatten des Weltgeschehens werden Minderheiten & Frauen weiterhin verfolgt, verhaftet und ermordet

Die systematische Unterdrückung und Diskriminierung der Hazara in Afghanistan darf nicht in Vergessenheit geraten!

Berlin, 19.10.2022. Zurzeit sind alle Blicke auf zwei internationale Vorkommnisse gerichtet: einerseits der völkerrechtswidrige Angriffskrieg in der Ukraine, der seit Februar das Land erschüttert. Andererseits die feministische und demokratische Bewegung im Iran, welche seit nun einem Monat mutig und tapfer das unterdrückerische Regime herausfordert. Insbesondere die Unterstützung der progressiven Kräfte im Iran ist unverzichtbar – aber lasst uns nicht vergessen, was anderswo auf der Welt passiert.  Es ist nun über ein Jahr her, seit die Machtübernahme der Taliban Afghanistan und die Lebensrealität der afghanischen Bevölkerung unweigerlich verändert hat. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen warnen seit Jahren vor der menschenrechtlichen und humanitären Katastrophe, die eine Machtübernahme der Taliban in Afghanistan mit sich bringen würde und mitgebracht hat. Trotzdem fehlt die notwendige Aufmerksamkeit.

Seit dem letzten Jahr üben die Taliban ihre Macht immer brutaler und rücksichtsloser aus – und die Hazara nehmen sie dabei besonders ins Visier. Die Hazara sind die größte religiöse und ethnische Minderheit Afghanistans. Sie werden seit Jahrzehnten von den Taliban und dem sogenannten Islamischen Staat (IS) verfolgt. Auch wenn die Taliban in Gesprächen mit westlichen Mächten behaupten, sie würden Minderheiten und Frauen nicht mehr unterdrücken, ausschließen und verfolgen: Die Realität ist eine andere.  

Als Angehörige des schiitischen Islams gelten die Hazara in den Augen der Islamisten als ungläubig. Auch die Tatsache, dass Frauen sich bei den Hazara mehr Freiheiten erkämpft haben, macht sie zum Angriffsziel der Taliban und anderer islamistischer Terrorgruppen im Land. Unmittelbarer Anlass für einen verschärften Blick auf Afghanistan ist unter anderem der Anschlag auf das Kaj-Bildungszentrum in Kabul Ende September, bei dem 53 Kinder der Hazara-Minderheit starben und viele weitere verletzt wurden. Mutige Hazara gingen am nächsten Tag auf die Straße, um gegen die Gewalt, die ihnen tagtäglich entgegenschlägt zu protestieren – und wurden gewaltsam von den Taliban niedergeknüppelt. Auch dies ist ein weiterer schockierender Beweis dafür, dass die Taliban die Hazara weiterhin verfolgen, foltern und außergerichtlich hinrichten.

Wir fordern die Bundesregierung und zivilgesellschaftliche Akteur*innen auf: Schaut hin und erkennt die systematische Diskriminierung und Verfolgung der Hazara und anderer ethnischer und religiöser Minderheiten an! Die Bundesregierung sollte sofort ein Aufnahmeprogramme für die von Mord bedrohten Mitglieder dieser Minderheiten beginnen. Zu diesen diskriminierten Minderheiten gehören eben auch sehr viele Frauen und Mitglieder der LGBTQIA+ Community, die tagtäglich für ihre Menschenrechte kämpfen. Erst am Montag, den 17.10.2022, beschlossen Bundesinnenministerin Faeser und Außenministerin Baerbock ein neues, im Koalitionsvertrag vereinbartes Bundesaufnahmeprogramm, über das monatlich rund 1000 Afghan*innen nach Deutschland einreisen könnten. Dieses Aufnahmeprogramm ist zwar ein guter Schritt in die richtige Richtung – aber 1000 Menschen monatlich aufzunehmen ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Bei einer geschätzten Bevölkerungszahl von 38 Millionen lebten bereits im Januar 2022 über 24,4 Million Menschen in Not – diese Zahl hat sich rasant vergrößert und wird im Anbetracht des Terrors der Taliban nur weiter steigen. Weiteren Schätzungen zufolge leben allein fünf bis zehn Millionen Hazara in Afghanistan, die tagtäglich Unterdrückung, Verfolgung, Verhaftung und Ermordung durch das Terrorregime der Taliban ausgesetzt sind.

Wir kritisieren die schleppende Arbeit an dem vereinbarten humanitären Bundesaufnahmeprogramm. Tagtäglich werden Angehörige der Hazara von den Taliban in Afghanistan systematisch verfolgt und ermordet – sie verdienen unsere bedingungslose Unterstützung und Solidarität!

DaMigra e.V. ist die Interessenvertretung von Migrantinnenselbstorganisationen und ihren Belangen und setzt sich für Chancengerechtigkeit, gleichberechtigte Teilhabe und für die Gleichstellung von Frauen mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrung in Deutschland ein. DaMigra verfolgt den Ansatz des Antirassistischen Feminismus.

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