17. März 2020

Kommt der Equal Pay Day für Migrantinnen*am Sankt Nimmerleinstag?

Berlin, 17.03.2020. Deutschland ist Spitze! Am 17. März erhalten Frauen* und Männer* gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Bis dahin arbeiten Frauen* gegenüber Männern* allerdings 77 Tage unbezahlt. Für Migrantinnen* verlängert sich der Zeitraum entsprechend der Migrationslücke. Die Zahlen sind wie in Stein gemeißelt: Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stellte bereits 2008 eine Lohnlücke von rund elf Prozent (für ausländische und deutsche Männer*) und von rund 20 Prozent (für ausländische und deutsche Frauen*) fest. Damit belegt Deutschland in Sachen Gleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt im internationalen und EU-Ländervergleich erneut einen der Spitzenplätze der hinteren Ränge.

Jobs in der Sorgearbeit – als Pfleger*innen, Reinigungskräfte, in der Gastronomie oder Hausangestellte sind im Niedriglohnsektor angesiedelt und sie werden überwiegend von Frauen* mit Migrationsgeschichte ausgeführt. Geflüchtete Frauen* haben kaum eine realistische Chance, am deutschen Arbeitsmarkt teilzuhaben und ihre unklare Bleibeperspektive verschlimmert die Situation zusätzlich. Viele Frauen* sehen sich außerdem gezwungen, ihre Familien im Herkunftsland zurückzulassen, um in Deutschland zu arbeiten und sie von diesem Lohn zu unterstützen. Die Sorgearbeit in den Herkunftsländern wird wiederum auf andere Frauen* verteilt und bleibt, ebenso wie Altersarmut, dennoch Sache der Frauen*.

Ausbildung hin, Hochschulabschluss her – Migrantinnen* auf dem Arbeitsmarkt werden in den Bereich Sorgearbeit abgedrängt, weil ihre Abschlüsse nicht oder nur teilweise anerkannt werden.

Zahlreiche Studien belegen außerdem: Menschen mit Migrationsgeschichte, die in der Bundesrepublik geboren und aufgewachsen sind, werden auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert. Es ist hinlänglich bekannt, dass deutsche Namen in Bewerbungsverfahren deutlich bevorzugt werden. „Unbewusste Vorurteile“ nennt die Charta der Vielfalt das. „rassistische und sexistische Diskriminierung“ nennt DaMigra dieses Unrecht.

„Wir können es uns nicht leisten, auf wichtige Fachkräfte zu verzichten. Wir müssen jetzt die sexistisch-rassistischen Strukturen in den Behörden, auf dem Arbeitsmarkt und in der Gesellschaft aufbrechen, um die wertvollen Ressourcen von Frauen* mit Migrations- und Fluchtgeschichte für das Allgemeinwohl zu nutzen. Wir sind auf die Fähigkeiten dieser Frauen* angewiesen“, so Dr. Delal Atmaca, Geschäftsführerin von DaMigra.

“Equal Pay und Equal Care für Migrantinnen*” ist eine Veranstaltung im Rahmen des Migrantinnen*märz, den DaMigra ausgerufen hat, um auf die Belange von Frauen* mit Flucht- und Migrationsgeschichte aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit Betroffenen, Expertinnen* aus Wissenschaft und Gewerkschaften diskutieren wir, welche Hürden Migrantinnen* auf dem Arbeitsmarkt in Kauf nehmen und was es braucht, um die Probleme und Ungleichheiten zu beseitigen. Aufgrund der Sicherheitsvorkehrungen im Zuge der „Corona“-Pandemie wird die Veranstaltung verschoben. Ein neuer Termin wird bekannt gegeben.

 

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31. März 2020

Die Pandemie kennt keine Grenzen und keine Nationalitäten. Die rückständigen Kräfte, die seit Langem mehr Abschottung und Nationalismus fordern, nutzen sie jedoch für ihre populistischen Zwecke. Ihre Propaganda trifft auf eine politische Zeit, in der die Beschneidung von Grundrechten von einem großen Teil der Bevölkerung ohne Aufschrei hingenommen wird und „Zuhause bleiben“ zum gefeierten Wort der Stunde wird. Aber: Zuhause bleiben ist ein Privileg. Tausende von Menschen werden gezwungen, in Lagern zu leben, weil sie ihr Zuhause aufgrund von Krieg oder Verfolgung verloren haben. Andere müssen weiterhin in unterbezahlten und risikoreichen Bereichen schuften, um die Grundversorgung der Bevölkerung und der eigenen Familie zu ermöglichen.

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20. März 2020

„Die Maßnahmen der Politik zur Eindämmung von COVID-19 offenbaren einmal mehr, wie in unserer Gesellschaft mit zweierlei Maß gemessen wird“, so Dr. Delal Atmaca, Geschäftsführerin von DaMigra e.V. „Während auf der einen Seite zu sozialer Distanzierung und eingeschränkter Mobilität aufgerufen wird, werden Abschiebungen nach Afghanistan durchgeführt und geflüchtete Menschen in Lagern gezwungen, auf engstem Raum zusammenzuleben. Die Bundesregierung muss agieren, und endlich eine menschenwürdige dezentrale Unterbringung ermöglichen.“

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19. März 2020

Wir mit müssen mit denen solidarisch sein, die von der Coronavirus-Krise am stärksten betroffen sind. Das sind schwache, kranke und ältere Menschen und die Menschen, die zum Teil seit Jahren an den Außengrenzen in Erstaufnahmelagern unter unzumutbaren Bedingungen festsitzen. Diese Menschen sind oft durch die menschenunwürdigen Bedingungen ohnehin geschwächt. Diese Menschen können keinen Abstand untereinander halten, weil die Lager überfüllt sind. Diese Menschen können keine Hygienemaßnahmen für sich umsetzen, weil die Lager nicht ausreichend mit sanitären Anlagen ausgestattet sind. Diese Menschen haben wenige bis keine Informationen, wie sie sich schützen können. Für die von der Maßnahme betroffenen Menschen, darunter zahlreiche Frauen* und Kinder, ist die Aussetzung der humanitären Aufnahme katastrophal, die Folgen sind kaum absehbar. Wenn wir die Welt zu einer Festung machen und diese Menschen nicht mitnehmen, haben wir alle als Menschen versagt.

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