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Strukturen durchleuchten: Intersektionaler, antirassistischer Feminismus

Erst am Mittwoch, den 08.03.2023 war wieder internationaler feministischer Kampftag (oder internationaler Frauentag). Das hat uns natürlich dazu veranlasst, intersektionalen Feminismus – das Herzstück von DaMigra und unserer Arbeit – in dieser Woche des MigrantinnenMärzes zu behandeln.

Intersektionalität ist das Wort der Stunde und Feminismus vor allem in dieser Woche in aller Munde. Aber was bedeutet Intersektionalität eigentlich genau? Was ist intersektionaler, antirassistischer Feminismus und was beinhaltet diese Haltung?

DaMigra Frauen waren deutschlandweit auf der Straße – einige Einblicke anbei.

Was ist Intersektionalität?

Intersektionalität beschreibt, dass sich verschiedene Formen von Diskriminierung gleichzeitig gegen eine Person richten können und dass verschiedene Diskriminierungsformen nicht isoliert auftreten, sondern sich überschneiden und verstärken. Somit ist das ein Ansatz, der Verwobenheit oder der Überkreuzungen sowie Interdependenzen von sozialen Kategorien wie Ethnizität, Gender, sexuelle Identitäten und soziale Schicht zusammen erklärt. Intersektionalität zeigt dieses Zusammenwirken auf. Intersektionalität kommt von dem englischen Wort „intersection“ – Überschneidung oder Schnittpunkt. Die Ursprünge des Konzepts der Intersektionalität liegen im Schwarzen Feminismus und der afroamerikanischen Arbeiter*innen-Bewegung.

Intersektionalität sieht Unterschiede, spaltet uns aber nicht anhand ihnen. Intersektionalität im Feminismus setzt voraus, dass Feminismus inklusiv sein muss. Für Migrantinnen und geflüchtete ist der Kampf für Gleichstellung und gegen Diskriminierung anders, da sie mit vielen Problemen auf verschiedenen Ebenen konfrontiert sind. Sie werden nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, ihrer vermeintlichen Zugehörigkeit oder ihrer Hautfarbe diskriminiert, sondern erfahren auch Druck und Stress durch die Gemeinschaft, aus der sie stammen, und die Gemeinschaft, in der sie leben. Migrantinnen und geflüchtete Frauen sprechen eben oft nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre Kinder und ihre Gemeinschaft. Der intersektionale Feminismus ist dazu da, diesen Kampf und diese Erfahrungen anzuerkennen und einzubeziehen.

Noch immer ist der Gedanke verbreitet, dass z.B. alle Frauen direkt Feministinnen sind oder alle von Rassismusbetroffenen auch Antirassist*innen sind. Doch das stimmt so nicht.

Oft sehen wir, wie Sexismus und die fehlende Teilhabe von Frauen an vielen strukturellen Entscheidungen von vielen als alleinige Diskriminierungsmerkmale des Feminismus dargestellt werden. Darin wird also das „dominante Ziel“ von Feminismus als die Bekämpfung von Sexismus dargestellt – und das wars? Das hat einen historischen Hintergrund. Schon lange wurde die anscheinend feministische Debatte von einer Gruppe von weißen, nicht-(sichtbar)behinderten, gutverdienenden, cis-Frauen angeführt. Für eben diese Gruppe wird Feminismus so ausgelegt, als würde es einzig und allein darum gehen, dass Frauen nicht an Macht beteiligt sein können. Diese westliche, liberale Perspektive auf Feminismus zu vertreten, ohne Rassismus, Klassismus oder andere Diskriminierungsformen miteinzubeziehen bedeutet, ein falsches System neu anzumalen, anstatt es auszutauschen.

Was fordert intersektionaler, antirassistischer Feminismus? Wie können wir mit diesem Ansatz Strukturen aufbrechen?  

  • Wir wollen den Kampf für alle Frauen aufnehmen. Wir wollen den Diskurs und die Macht am gesellschaftlichen Narrativ übernehmen, inklusiv für alle und mit Fokus auf die Frauen, die bislang unsichtbar gemacht wurden.
  • Wir wollen Themen und Perspektiven aufgreifen, die bislang nicht genug Berücksichtigung finden und für die einstehen, die am wenigsten berücksichtigt werden.
  • Wir vertreten Migrantinnen, jüdische Frauen, queere Menschen, geflüchtete Frauen, behinderte Frauen und women of Color. Wir, intersektionale, antirassistische Feministinne, fühlen uns in unseren eigenen Anliegen, Bedürfnissen und Interessen weitestgehend von der mehrheitlich weißen deutschen Frauenbewegung ignoriert oder bevormundet.
  • Wir wollen mit Intersektionalität eine Plattform haben, auf der wir nicht nur gegen Sexismus, sondern auch gegen Rassismus, Antisemitismus, Ableismus und Klassismus aktiv werden konnten und partizipativ Themen setzen konnten.

Intersektionalen, antirassistischen Feminismus zu vertreten bedeutet, Mehrfachdiskriminierungen zu benennen und zu bekämpfen. Es bedeutet zu sehen, dass wir divers sind und in unserer Diversität andere Erfahrungen machen (müssen und können). Es bedeutet aber auch, sich klar dafür zu entscheiden, solidarisch miteinander alle Diskriminierungsformen zu bekämpfen – nicht nur die, die uns selbst betreffen.

Ein so verstandener Feminismus thematisiert also Macht Asymmetrien und Machtmissbrauch in der Gesellschaft, in Institutionen, in Strukturen. Er ist nicht nur für die individuellen Partikularinteressen einzelner Gruppe unterwegs, sondern handelt inklusiv. Ein eben jener Feminismus interessiert sich also für ALLE gesellschaftlich relevanten Themen und setzt sich weltweit für Menschenrechte, Chancengleichheit und Teilhabe ein! Unser Verständnis von Feminismus ist, dass Frauen als Akteurinnen auftreten, nicht als Subjekte. Darin ist es unsere Aufgabe, Feminismen zu erkennen, die rassistische und exklusive Charakteristiken haben, und darauf zu reagieren bedeutet, auf früheren Kämpfen aufzubauen. Feministinnen, die einen intersektionalen und antirassistischen Feminismus vertreten, kämpfen überall auf der Welt gegen völkisch-nationalistische, fundamentalistisch-religiöse, reaktionäre oder rassistisch und faschistische Kräfte!

DaMigra e. V. ist die Interessenvertretung von Migrantinnenselbstorganisationen und ihren Belangen und setzt sich für Chancengerechtigkeit, gleichberechtigte Teilhabe und für die Gleichstellung von Frauen mit Migrationsgeschichte und Fluchterfahrung in Deutschland ein. DaMigra verfolgt den Ansatz des Antirassistischen Feminismus.

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