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Weil Ankommen Mut braucht: „Ich habe meine persönlichen Ziele für meine Tochter geopfert“

Am 18. Dezember 2022 erscheint unsere Dokumentation „Weil Ankommen MUT braucht“. In dem Film erzählt die Protagonistin Nadia Miloudi, wie sie ihren Traum einer Karriere im IT-Bereich für ihre Tochter aufgegeben hat. Damit ist sie als Mutter mit Migrationsgeschichte nicht allein.

Familie und Beruf zu vereinbaren ist in unserer Gesellschaft nicht einfach. Vor allem Frauen passen sich nach der Geburt eines Kindes häufig der neuen familiären Situation an, treten aus der Arbeitswelt heraus und widmen sich der unbezahlten Kindererziehung, Pflege und Hausarbeit: Im Jahr 2020 waren nur 20% aller Mütter Vollzeit beschäftigt, Väter sind es hingegen fast ausschließlich (Deutsches Jugendinstitut, 2022).

Mit dem Blick durch eine intersektionale Brille werden beim Thema Vereinbarung von Familie und Beruf noch weitere Diskrepanzen klar erkennbar – besonders bei Familien mit Migrationsgeschichte. Laut der Bundeszentrale für Politische Bildung (2021) waren in 73% der Familien ohne Migrationsgeschichte beide Eltern erwerbstätig, bei Eltern mit Migrationsgeschichte jedoch nur 51%. In 37% aller Familien mit Migrationsgeschichte war nur der Vater erwerbstätig (siehe Abbildung 1).

Abb. 1 Paarfamilien nach Migrationsstatus und Erwerbsbeteiligung der Partner 2019 (in %)

Gemischtgeschlechtliche Paare mit zwei Partner*innen im erwerbsfähigen Alter mit realisierter Erwerbsfähigkeit (d.h. Erwerbstätige ohne Personen im Mutterschutz und Elternzeit) und jüngstem Kind unter 15 Jahren. Datenbasis: Mikrozesus – Bevölkerung in Familien/Lebensformen am Hauptwohnsitz. Quelle: Bpb, 2021

Die Gründe, warum vor allem migrantische Mütter für ihre Familie auf eine Karriere verzichten, sind vielfältig. Was zunächst wie eine private Entscheidung zwischen zwei Elternteilen wirkt, ist hingegen oft das Resultat struktureller Probleme. Dazu gehören unzureichende Kinderbetreuung, komplizierte Verfahren zur Anerkennung ausländischer Diplome (und damit Zugang zum Arbeitsmarkt in Deutschland), hohe Anforderungen an Deutschkenntnisse und fehlende Weiterqualifizierungsangebote für bereits hochqualifizierte Migrantinnen und Geflüchtete. So kommt es, dass Migrantinnen und geflüchtete Frauen über Generationen hinweg mehrere niedrigbezahlte Jobs haben, in Führungspositionen deutlich unterpräsentiert sind und viel unbezahlte Care-Arbeit leisten müssen.

Nicht selten führen solche Zustände zu negativen Auswirkungen auf die Selbstbestimmung, finanzielle Abhängigkeit, das Selbstbewusstsein, aber auch die Sprachkenntnisse der Frauen. Aber die doppelte Belastung macht es vielen zeitlich unmöglich, sich politisch zu engagieren. Dies führt dazu, dass sie bei politischen Maßnahmen, die sie direkt betreffen, bevormundet werden und diese ohne ihren Beitrag formuliert werden.

Die Vereinbarung von Familie und Beruf darf nicht an den Rand der politischen Debatten gedrängt werden.

Wir, DaMigra e. V.,  fordern daher ein verbessertes Angebot von Sprachkursen als betriebliche Weiterbildung, die Anerkennung und Übertragbarkeit ausländischer Berufs- und Studienabschlüsse, geeignete Anpassungsqualifizierungen an deutsche Berufsqualifizierungen und den Ausbau von Kinderbetreuungsmöglichkeiten.

Auch fordern wir Betriebe auf, Arbeitsbedingungen humaner und familienfreundlicher zu gestalten. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, eine angemessene Entlohnung, aber und vor allem ein würdevoller Umgang mit Arbeitnehmer*innen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Kampagne rund um unseren Film „Weil Ankommen Mut braucht“ entstanden. In der Dokumentation berichten drei Frauen mit Migrationsgeschichte über ihren Weg in den deutschen Arbeitsmarkt und die Hürden, mit denen sie zu kämpfen haben. Der Film wird am Tag der Migrant*innen, am 18.12.22, auf dieser Website veröffentlicht.

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