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Migrantinnen*März 2021

Was wäre, wenn Mitbestimmung kein Glücksspiel wäre?

Was wäre, wenn wir mit fairen Regeln spielen würden?

Zwischen Frauen*kampftag, Equal Pay Day und dem Internationalen Tag gegen Rassismus rückte DaMigra die Rechte und Forderungen von Migrantinnen* besonders in den Fokus. Gemeinsam mit vielen Migrantinnen*selbstorganisationen (MSO) setzte DaMigra bundesweit kreative Veranstaltungen zu den Themen Politische Teilhabe, Gewaltschutz, Arbeitsmarkt, Bildung und Gesundheit um.

Dieses Jahr widmete sich DaMigra dem Motto „Was wäre, wenn Mitbestimmung kein Glücksspiel wäre? Was wäre, wenn wir mit fairen Regeln spielen würden?“.

 

Spinnwerkstätten mit unseren Mitgliedsorganisationen im Januar 2021

Bei den Spinnwerkstätten zu Jahresbeginn legten die Mitfrauen*organisationen die Hauptthemen des Migrantinnen*märz 2021 fest. Im Kontext der andauernden Corona-Pandemie, aber auch im Hinblick auf das Superwahljahr 2021 waren insbesondere die Themen Gewalt gegen Frauen* und Kinder, Bildung(schancen) und Arbeitsmarkt, Frauen*gesundheit und Politische Teilhabe zentral. Zudem wurden mögliche Pandemie sichere Aktionen angestoßen und über die passende Kampagne diskutiert, auf dessen Basis die Veranstaltungsformate sowie Öffentlichkeitsarbeit entwickelt wurden.

 

Gemeinsame Videoaktion

Wir haben Frauen* an unseren Mut-Macherinnen*-Standorten gefragt: Was ist dir wichtig, als Teil dieser Gesellschaft? Was würdest du in Deutschland verändern, wenn du z. B. eine entscheidende Politikerin* wärst? Was ist in Zeiten der Corona-Pandemie besonders schwer für dich? Und was gibt dir zu diesen schwierigen Zeiten Kraft?

In 16 Videos berichteten sie uns auf Facebook und Instagram von ihren Visionen, Ansichten und Geschichten.

 

Spielkarten-Forderungen über den ganzen März hinweg

Den ganzen März hinweg richteten bundesweit Migrantinnen* und Frauen* mit Fluchterfahrung ihre Forderungen in Form von übergroßen Kartenspiel-Schildern mit feministisch-antirassistischen Motiven an Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Forderungen der Frauen* drehten sich um die Themen politische Teilhabe, Arbeitsmarkt, Bildung, Gewaltschutz und Gesundheit. Denn in all diesen Bereichen begegnen Migrantinnen* und Frauen* mit Fluchterfahrung Barrieren und Herausforderungen.

„Wahlrecht für ALLE!“, „Zugang zum Arbeitsmarkt für alle Migrantinnen* – unabhängig vom Aufenthaltsstatus.“, „Vorbehaltlose Umsetzung der Istanbul-Konvention!“ – so lauten einige der vielen Forderungen, die die Frauen* bei ihren Veranstaltungen vorzeigten, zu Behörden, Institutionen und Entscheidungsträger*innen trugen und über Social Media unter #faireRegeln und #Migrantinnenmärz teilten.

Sie richten sich damit gegen die prekären Arbeitsverhältnisse, denen viele Migrantinnen* und Frauen* mit Fluchterfahrung ausgesetzt sind, gegen verwehrte Ausbildungsanerkennung, gegen unsichere und eheabhängige Aufenthaltstitel und gegen mangelhaften Schutz vor geschlechtsspezifischer und rassistischer Gewalt. Migrantinnen* und Frauen* mit Fluchterfahrung wollen mitmischen und politisch teilhaben.

„Über unsere Köpfe hinweg wird in der Politik über Bildung, Arbeitsmarkt, Kultur, Umwelt oder auch Gesundheit entschieden. Doch Demokratie ist keine Demokratie, wenn nicht alle mitbestimmen und mitgestalten dürfen.“, sagte Duygu Bräuer, Vorstandsvorsitzende von DaMigra.

Die unzähligen Fotos der Aktion wurden über unsere Social-Media-Kanäle unter #faireRegeln und #migrantinnenmärz geteilt.

In Stralsund wurden zahlreiche Forderungen von Migrantinnen*selbstorganisationen an einen Baum gehängt.

Am Baum vor dem Alten Markt vor der Kirche St. Nikolai wachsen antirassistische Forderungen gegen Sexismus – DaMigra

 

DaMigra beim Frauenkampftag am 8. März 2021

An mehreren Standorten fanden Online-Vorbereitungsworkshops auf den Frauenkampftag mit gemeinsam gestalteten Kartenspiel-Schildern statt. Die Teilnehmerinnen* motivierten und inspirierten sich gegenseitig, nutzten die Gelegenheit zur Reflektion über die Bedeutung des Frauenkampftages und ihrer eigenen Rolle darin.

Unter strenger Einhaltung der Hygienevorschriften nahmen einige Frauen* an den Demonstrationen teil. In manchen Städten schallten am 8. März DaMigra-Redebeiträge aus den Lautsprechern: den Vorbehalt zur Istanbul-Konvention aufheben, Migrantinnen* am Arbeitsmarkt fördern, Zugangsbarrieren abschaffen, gleichberechtigte politische Teilhabe ermöglichen, Rassismus und rassistische Gewalt feministisch und solidarisch bekämpfen und stoppen, Migrantinnen*rechte ausnahmslos durchsetzen!

 

Vernissage „Macht sichtbar*“ in Berlin

Besondere Tage erfordern besondere Aktionen: Anlässlich des 8. März 2021 ließ sich DaMigra in diesem Jahr etwas Besonderes für die Hauptstadt einfallen, um gleichstellungspolitische Themen sichtbar zu machen.

Geschlechtsspezifische Gewalt und das Desinteresse unserer Parlamente an gleichstellungspolitischen Themen sind Resultate patriarchalen Denkens und Handelns. Auf diesen Missstand macht das Künstlerinnen-Duo Barlin gemeinsam mit DaMigra e.V. über Lichtinstallation „Macht sichtbar*“ aufmerksam, die an der Fassade des Rathauses Neukölln leuchtet und dort über den ganzen Migrantinnen*märz zu sehen ist.

„Macht sichtbar* ist eine wandernde Lichtinstallation, die Frauen* ermutigt, sichtbar zu sein. Es ist eine Einladung, die Gewalt gegen Frauen* zu sehen, sich dessen bewusst zu werden, die Verantwortung zu übernehmen.“, sagte die Künstlerin Barbara Bernardi. „Es ist auch eine Ermunterung an alle Frauen*, sich zu zeigen und die eigene Macht zu sehen.“, ergänzte die Künstlerin Linda Paganelli.

„In Neukölln machen wir schon lange frauenpolitische Themen sichtbar, die manche nicht sehen wollen: Frauen sind öfter betroffen von Armut, von Gewalt und Ausgrenzung. Häusliche Gewalt, gegen Frauen und Mädchen, hat sich in der Pandemie noch weiter gesteigert. Wir blicken in Neukölln hinter die Strukturen und machen sie sichtbar. Und wir empowern junge genauso wie nicht mehr junge Frauen, sich zu emanzipieren, ihren eigenen Weg zu gehen. Dazu gehört für mich auch, bestehende Hürden sichtbar zu machen – gesellschaftliche wie familiäre.“, betonte Bezirksbürgermeister Martin Hikel in seinem Grußwort anlässlich der Vernissage am 8. März vor dem Rathaus Neukölln.

„Patriarchales Denken und Handeln bildet den Nährboden für Gewalt gegen Frauen*. Dass gerade von Rassismus betroffene Frauen* sowohl im Bundestag als auch in den Parlamenten auf Landes- und kommunaler Ebene eklatant unterrepräsentiert sind, ist nicht nur ein Demokratie-Defizit. Es trägt auch zur Verschärfung der Problematik bei.“, konstatiert Dr. Delal Atmaca, Geschäftsführerin von DaMigra e.V. in ihrem Grußwort.

Geschlechtsspezifische Gewalt betrifft alle Frauen*. Die ohnehin zu geringen Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen sind wiederum nicht für alle Frauen* gleichermaßen zugänglich.

Der Berliner Gewaltschutzambulanz zufolge hat die Gewalt gegen Frauen* und Kinder unter der Corona-Pandemie in Berlin seit Juni um geschätzte 30% im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugenommen, es sei jedoch grundsätzlich von einer höheren Dunkelziffer auszugehen. Ein gesichertes Gesamtbild für Deutschland zur häuslichen Gewalt wird es laut Bundesfamilienministerium Ende des Jahres geben.

Dass wir Frauen* uns aber zu wehren wissen, bewies Freestyle Rapperin Leila A., die den Abend mit viel Witz und Rhtythmus abrundete.

VERNISSAGE: Macht sichtbar* – DaMigra

 

Equal Pay Day bei Instagram Live

Screenshot Instagram Live Equal Pay Day

Zum Equal Pay Day am 10. März realisierte DaMigra ihr erstes Instagram Live mit den Gästinnen* Su Derventli und Mehriban Özdogan. Su ist verantwortliche Redakteurin der Zeitschrift Junge Stimme und geschäftsführendes Mitglied der Migrantenjugend-Selbstorganisation DIDF-Jugend. Mehriban ist Gewerkschaftssekretärin bei der IGBAU in der Region Rheinland und dort für die Baustoffbranche zuständig. Außerdem betreut sie in ihrer Rolle auch die Florist*innen und unterstützt Saisonarbeiter*innen aus dem Ausland.

Zusammen sprachen sie über die Bedeutung des Equal Pay Days für Migrantinnen*. Welche Auswirkungen hat der Gender und Migration Pay Gap? Männer verdienen noch immer mehr als Frauen. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im Lohnverhältnis auf den hinteren Plätzen. Hinzu kommt, dass die Migrantinnen* auf dem Arbeitsmarkt sowohl aufgrund des Geschlechts als auch aufgrund des Migrationsstatus, aber auch rassistischen Strukturen ungleich behandelt werden, wenn es um das Gehalt, Arbeitsbedingungen und Gewerkschaftsrechte geht.

Jobs im Niedriglohnsektor, beispielsweise in der Pflege, in der Gastronomie oder als Hausangestellte und Reinigungskräfte werden oft von Frauen* mit Migrationsgeschichte ausgeführt. Obwohl es systemrelevante Arbeit ist, wird sie nicht entsprechend entlohnt. Die Pandemie verschärft die Lage für Migrantinnen* umso mehr und hat weitreichende Folgen für die Frauen*, wie finanzielle Abhängigkeit oder Rückschritte in traditionelle Geschlechterrollen. Damit sind wir noch weit von der Gleichberechtigung aller Menschen entfernt und es ist damit ein dringender Handlungsbedarf erforderlich! Wir waren uns einig: Strukturelle Barrieren müssen abgeschafft werden!

„Das Thema Equal Pay darf nicht nur einmal im Jahr von Politiker*innen besprochen werden. Wenn im Grundgesetz Artikel 3 steht, dass wir alle gleich sind, dann sollte dies auch so sein. Dafür hat die Regierung Sorge zu tragen!“, so Mehriban Özdogan.

Am 27. Mai plant DaMigra eine Online-Veranstaltung zu Equal Pay und Equal Care für Migrantinnen* mit Expertinnen* aus der Politik. Weitere Infos folgen In Kürze auf unserer Homepage.

 Equal Pay Day. Gleiche Bezahlung für Migrantinnen* – Instagram – DaMigra

Equal Pay Day 2021 – DaMigra

 

Anti-Rassismus. (K)ein Thema in der Gleichstellungspolitik Mitteldeutschlands? 

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Rassismus am 18. März luden DaMigra und die Landesfrauenräte Sachsens, Sachsen-Anhalts und Thüringens zu einem virtuellen Expertinnen* Tisch. Im Fokus des Nachmittages stand der Austausch von gleichstellungspolitischen mit antirassistischen Strategien in der politischen Landschaft der drei Bundesländer.

Rassistisch-sexistische Übergriffe und Stereotypisierungen kennzeichnen den Alltag der Migrantinnen* in dieser Region deutlich. Die Erfahrungen der Betroffenen- und Anti-Diskriminierungsberatung sowie Ergebnisse von Studien zu rassistischen Einstellungen wie dem Thüringen Monitor belegen dies. Wie Geflüchtete, migrierte und als solche gelesenen Frauen* in ihrer Mehrfachdiskriminierung in der Gleichstellungspolitik endlich tatsächlich gleichberechtigt und nicht mehr nur als „Add-on“ miteinbezogen werden, diskutierten die Gästinnen* daher rege.

Einen wissenschaftlichen Input hierzu gab, Dr. Noa K. Ha, kommissarische wissenschaftliche Geschäftsführerin am DeZIM-Institut: „Eine intersektionale Gleichstellungspolitik darf nicht nur Diskriminierungsschutz bedeuten, sondern bedeutet auch aktiven Anti-Rassismus!“

Die Diskutantinnen* stellten fest, dass für Gleichstellungsgesetze der Blick durch eine intersektionale Brille unerlässlich ist. Das bedeutet auch, dass Migrationsbeauftragte, Gleichstellungsbeauftrage und Behindertenbeauftrage eng zusammenarbeiten müssen, um den vielfältigen Lebensrealitäten einer weltoffenen Gesellschaft gerecht zu werden.

Anti-Rassismus. (K)ein Thema in der Gleichstellungspolitik Mitteldeutschlands? – DaMigra

 

Pressestimmen

Lichtinstallation am Rathaus | Berliner Woche (03.03.21)

Events am Berliner Frauentag | Abendblatt-Berlin (04.03.21)

Für Frauenrechte – mit dem Frauenverband Courage und DaMigra | Omas gegen Rechts (09.03.21)

„Macht sichtbar*“ – Lichtinstallation am Rathaus Neukölln zum internationalen Frauentag. | TP-Presseagentur (08.03.21)

Lichtinstallation mit Genderstern leuchtet am Rathaus Neukölln | FACETTEN-Magazin Neukölln (11.03.21)  

Rassimus – Kein oder ein Thema der Gleichstellungspolitik in Mitteldeutschland? | Radio corax, Halle (18.03.21)

Feministische und antirassistische Bewegungen müssen zusammenarbeiten – Gespräch mit Alexandra Vogel vom Dachverband der Migrantinnenorganisationen (DaMigra) | Radio Blau, Leipzig (19.03.21)

Ein Zeichen gegen Rassismus | Radio SVR Hanse (19.03.21)

 

Ausblick

Mit dem Ende des Migrantinnen*märz 2021 hören unsere Forderungen nicht auf; auch unsere Stimmen werden nicht leiser! Der Migrantinnen*märz hat wieder gezeigt, wie viele wir sind und welche Resonanz wir schaffen, wenn wir gemeinsam den Weg gehen. Ihr habt den Migrantinnen*märz 2021 so stark gemacht! Ihr wart mit uns in ganz Deutschland laut und mutig und habt unzählige Aktionen gemacht. Dafür möchten wir Euch von ganzem Herzen danken.




 

Downloads

Aufruf zum Migrantinnen*märz 2021

Auftaktvideo Migrantinnen*märz

DaMigras Forderungen zum Migrantinnen*märz 2021 auf Spielkarten

 

Hinweis zur gendersensiblen Schreibweise: Als intersektional-feministisch denkender und handelnder Dachverband von und für Migrantinnen* in Deutschland wählte DaMigra e.V. bis Juli 2021 eine gendersensible Schreibweise mit Sternchen (*). Dies sollte über die Zweigeschlechtlichkeit („Frauen“ und „Männer“) hinausweisen und die tatsächliche Vielfalt von Geschlechtern symbolisieren. Hier finden Sie Informationen über die aktuelle gendersensible Schreibweise von DaMigra.