Migrantinnen*März 2020 –
der Bericht

„Schranken weg! Kräfte bündeln! Durchstarten!“

Zwischen Frauen*kampftag, Equal Pay Day und Internationalem Tag gegen Rassismus rücken wir die Rechte und Forderungen von Migrantinnen* besonders in den Fokus: DaMigra ruft den Migrantinnen*märz aus! Der Migrantinnen*März 2020 stand dabei ganz im Zeichen der internationalen Frauen*rechtskonvention CEDAW (Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau), deren Unterzeichnung sich 2019 zum vierzigsten Mal jährte. Unter dem Motto „Schranken weg! Kräfte bündeln! Durchstarten!“ rückte die Kampagne die Themen Zugangsbarrieren, Power Sharing und Migrantinnen*rechte in den Vordergrund. Wir machten Migrantinnen*selbstorganisationen (MSO) mit ihren Forderungen und Aktivitäten in der Öffentlichkeit sichtbar, unterstützten die Vernetzung mit Institutionen der Mehrheitsgesellschaft und sensibilisierten diese Institutionen – beispielsweise durch das Hinterfragen der eigenen Privilegien dieser Institutionen.

Diese Themen und Ziele setzte DaMigra mit ihren Mitgliedsorganisationen an den bundesweiten Standorten kreativ um. Damit bot DaMigra eine vielfältige Plattform, eigene Anliegen zu formulieren und öffentlich einzufordern. Barrierearme, teilhabegerechte Formate und eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnerinnen* machten es möglich, dass Migrantinnen* mit ihren Forderungen im Fokus medialer Berichterstattung standen.

Leider musste DaMigra wegen des Corona-Virus einige der geplanten Veranstaltungen absagen oder verschieben.

 

Öffentlichkeitsarbeit

DaMigra veröffentlichte im Rahmen des Migrantinnen*März diese Pressemitteilungen:
Bundesweite Aktion der Migrantinnen* zum Frauen*tag. (06.03.2020)
Kommt der Equal Pay Day für Migrantinnen*am Sankt Nimmerleinstag? (17.03.2020)
Politisches Handeln statt Lippenbekenntnisse zum Internationalen Tag der Beseitigung von Rassismus! (20.03.2020)

Anlässlich der Aktionswochen entworfene Aufkleber und Flyer wurden im Rahmen einer Vielzahl von Aktionen am Frauen*kampftag in 12 verschiedenen Städten verteilt. Auch auf Social Media erreichten DaMigra-Posts überdurchschnittlich viele Interaktionen. Besonders eine in Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedsorganisationen organisierte Video-Reihe erregte Aufmerksamkeit: An jedem Tag des Monats wurde ein Kurzinterview mit einer Migrantin* in Deutschland veröffentlicht, in dem über Gleichberechtigung, persönliche Erfahrungen und Träume gesprochen wurde.

Verschiedene Medien, unter anderen die Süddeutsche, die Thüringer Allgemeine, RTL online und t-online berichteten über die in von DaMigra mitorganisierte Taschenwurf-Aktion zum 8. März (s.u.). Auch zum Frauen*kampftag wurde von den Aktionen DaMigras auf TAZ.de und Der Tagesspiegel berichtet. Anlässlich der Demonstration in Halle wurde Daria Ankudinova, Referentin des Projektes #selbstbestimmt, vom lokalen Radiosender Radio Corax interviewt. Zudem erschien am 7. März ein ausführliches Interview mit DaMigra-Geschäftsführerin Dr. Delal Atmaca. Im Interview spricht sie über die Demonstrationen zum Frauen*kampftag, die Bedeutung des rassistischen Anschlags von Hanau und strukturelle Diskriminierung von Migrantinnen* in Deutschland.

 

Highlights des Migrantinnen*März 2020

Vernetzungstreffen mit unseren Mitgliedsorganisationen Anfang 2020

Im Vorfeld des Migrantinnen*März lud DaMigra ihre Mitgliedsorganisationen zu vier Vernetzungstreffen in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Halle (Saale) ein: Wie können wir gemeinsam unsere Forderungen sichtbar machen? Welche Aktionen sind denkbar? Welche Veranstaltungen sind in Kooperation möglich? Aus diesen Treffen entstanden zahlreiche Ideen, wie etwa eine Sammlung von Sprüchen, die die Forderungen von DaMigra auf kreativ-humorvolle Weise zum Ausdruck bringen: „Migrantinnen*rechte = Menschenrechte. Immer. Überall.“, „Gleiche Rechte für Ayse und Jörg.“, „Erst Gleichberechtigung. Dann Blumen.“, „Equality. Ohne Ausnahme.“, „Break. The. Stereotype.“, „Wer Macht teilt, macht mehr. Power Sharing!“. Die mit diesen Sprüchen bedruckten Aufkleber wurden während der Frauen*kampftag-Demo und bei anderen Gelegenheiten im Migrantinnen*März verteilt und erfreuten sich großer Beliebtheit.

Auch die Idee der Kurzvideos entstand auf einem Netzwerktreffen. Durch die tatkräftige Unterstützung unserer Mitgliedsorganisationen entstanden fast 30 Interviews mit Frauen* aus verschiedensten Kontexten: Was bedeutet für dich Gleichberechtigung?, Wieviel Zeit pro Tag hast du für dich?“ und „Hast du einen Traum?“, lauteten die Fragen. Die so entstandenen Clips spiegeln die Diversität der Frauen* mit Migrationsgeschichte in Deutschland wider. Über die Dauer des Migrantinnen*März wurden sie auf unseren Social Media-Kanälen Facebook, Twitter und Instagram veröffentlicht.

Einige der Ideen konnten leider aufgrund der Corona-Krise noch nicht realisiert werden. Sie sind aber in unserem Ideenspeicher und bereit, zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt zu werden.

 

29.02.2020: Eröffnungsveranstaltung des Migrantinnen*März

In Halle an der Saale feierten wir die Eröffnung des Migrantinnen*März. Mit Vorträgen über Frauen*rechte und Frauen*Vorbilder aus der ganzen Welt, mit Diskussionen und informellen Gesprächen, mit Essen und Tanz läutete DaMigra den Migrantinnen*März am letzten Februartag ein.

 

06.03.2020 Aktion Handtaschenweitwurf (DaMigra in Zusammenarbeit mit dem Landesfrauenrat Thüringen e.V. und Andrea Wagner, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Weimar)

Die Handtaschenweitwurf-Aktion in Weimar war eine humorvolle Veranstaltung im Rahmen des Migrantinnen*März. An diesem Tag warfen Frauen* die hässlichsten Handtaschen im Wettbewerb und entledigten sich so symbolisch der Dinge, die wir nicht haben wollen: Sexismus, Rassismus, Cybergewalt und vieles mehr schleuderten die Frauen* weit von sich. Dank hoher Teilnehmerinnen*zahlen und starker Präsenz von Politik und Medien erregten unsere Forderungen nach der Beseitigung von Demokratiedefiziten und Mehrfachdiskriminierung Aufmerksamkeit.

„Sexistische Sprüche, Belästigung, schlechtere Bezahlung: All das sollen Frauen mittels einer Aktion zumindest symbolisch beim Handtaschenweitwurf loswerden können. Dazu laden verschiedene Akteurinnen, darunter der Landesfrauenrat Thüringen und der Dachverband der Migrantinnenorganisationen DaMigra, rund um den Internationalen Frauentag ein.
Frauen werfen Taschen – SZ.de (06.03.2020)
Anti-Sexismus und miese Bezahlung – Thüringer Allgemeine (06.03.2020)

 

08.03.2020: Straßenaktionen der Migrantinnen*

Am Kampftag war DaMigra in den Demonstrationszügen ganz vorn mit dabei. Doch auch im Vorfeld waren wir aktiv: DaMigra bündelte die Forderungen der Mitgliedsorganisationen und koordinierte die Öffentlichkeitsarbeit. An elf Standorten beteiligte sich DaMigra aktiv an der Organisation der 8.-März-Demonstrationen und brachte die Forderungen von Migrantinnen* an prominenter Stelle ein, unterstützte die Tätigkeiten vor Ort durch Redebeiträge, Design-Vorlagen für Plakate und Banner.

In mehreren Standorten fanden Vorbereitungsworkshops auf die Demos mit Vorträgen, Diskussionen und gemeinsamem Malen von Transparenten statt. Die Teilnehmerinnen* motivierten und inspirierten sich gegenseitig, nutzten die Gelegenheit zur Reflektion über die Bedeutung der Demonstrationen und ihrer eigenen Rolle darin und brachten sich aktiv in die Vorbereitungsprozesse ein.

In zahlreichen Städten schallten am 8. März DaMigra-Redebeiträge aus den Lautsprechern: den Vorbehalt zur Istanbul-Konvention aufheben, Migrantinnen* am Arbeitsmarkt fördern, Zugangsbarrieren abschaffen, gleichberechtigte politische Teilhabe ermöglichen, Rassismus und rassistische Gewalt feministisch und solidarisch bekämpfen und stoppen, Migrantinnen*rechte ausnahmslos durchsetzen, lauteten die wichtigsten Forderungen. DaMigra übersetzte den offiziellen Demo-Aufruf in Halle in zahlreiche Sprachen: So konnte sich ein deutlich größerer Kreis von Frauen* über den 8. März informieren – auf Englisch, Arabisch, Persisch, Türkisch, Spanisch und Russisch. Die Zusammenarbeit mit den deutschlandweit aktiven feministischen Streik-Bündnissen verlief solidarisch und auf Augenhöhe und war darum erfolgreich – Solidarität kann nur erfolgreich sein, wenn sie auf Augenhöhe gelebt wird!

 

„Der Migrantinnen*-Block von DaMigra läuft auf der Frauentags-Demo in Berlin ganz vorne. Nach Hanau demonstriert Delal Atmaca mit gemischten Gefühlen.“ Ein Interview.
DaMigra über die Demo am Frauentag. „Nicht nur Petras und Jörgs“ – taz.de (06.03.2020)
Frauenkampftag in Berlin. Demo für alle Flint* – taz.de (08.03.2020)

„Wir vertreten geflüchtete und migierte Frauen* und Frauen*, die als Migrantinnen* gelesen werden. Für uns ist es ganz besonders wichtig alle Möglichkeiten der politischen Teilhabe zu nutzen, denn diese Möglichkeiten sind uns oft verwehrt. Wir dürfen nicht alle wählen und unsere Stimmen werden oft nicht gehört oder gesehen. Deswegen sind wir heute hier.“
Frauen*kampftag – Tausende demonstrieren für Gleichstellung – Der Tagesspiegel (08.03.2020)

 

12.03.2020: Workshop „Istanbul-Konvention zum Schutz aller Frauen*!“ in Kooperation mit BENGI e.V. in Kassel

Ein weiteres Beispiel der gelungenen Kooperation zwischen DaMigra e.V. und unserer Mitgliedsorganisation BENGI e.V. war der Workshop „Istanbul-Konvention zum Schutz aller Frauen*!“, der am 12.03. in Kassel stattfand. Organisiert wurde das Seminar von BENGI e.V., geleitet wurde es von DaMigra-Expertin Dr. des. Elif Artan, zum Thema Istanbul-Konvention. Nach einer interaktiven Kurzvorstellung der Istanbul-Konvention (IK) diskutierten Frauen* das Fallbeispiel eines Femizids in Deutschland: Wie hätte die Istanbul-Konvention die gewaltbetroffene Frau* schützen können? Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse. Abschluss der Veranstaltung bildete eine konstruktive Diskussionsrunde, in deren Ergebnis Forderungen formuliert wurden.

 

Fazit

Aufgrund der sog. Corona-Krise mussten einige der im Rahmen des Migrantinnen*März 2020 geplanten Veranstaltungen abgesagt werden. DaMigra erwägt, einzelne Veranstaltungen wie den Equal Pay Day für Migrantinnen* in Düsseldorf oder eine Podiumsdiskussion zu antirassistischem Feminismus in Stralsund zu verschieben. Je nach Kapazitäten und Entwicklung der Situation werden diese Veranstaltungen – analog oder digital – voraussichtlich im Sommer 2020 nachgeholt. Es wird darüber hinaus noch mehr sichtbar gemacht, dass der EPD (der Tag, der symbolisch die Lohnlücke zwischen den Männern und Frauen* markiert) für Migrantinnen* in Deutschland deutlich später stattfinden wird – denn zusätzlich zur Gender Pay Gap muss hier noch die durch prekäre Arbeitsverhältnisse, Abwärtsmobilität und fehlende Anerkennung von Qualifikationen entstehende Migration Pay Gap addiert werden. Trotz der sog. Corona-Krise haben wir unsere Ziele im Migrantinnen*März erreicht: die Mehrfachdiskriminierung der Migrantinnen* in Deutschland haben wir durch eine Vielfalt an Veranstaltungsformaten und Aktionen und durch gezielte Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in sehr guter Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedsorganisationen und Kooperationspartnerinnen* sichtbar gemacht. Durch die Bereitstellung unserer Räume und unserer politischen Infrastruktur in unseren bundesweiten Standorten und durch Vernetzungsarbeit erreichen wir Empowerment von Migrantinnen* und geflüchteten Frauen*, ihre Rechte eigenständig einzufordern. Viele einzelne Frauen* und Mitgliedsorganisationen gaben uns die Rückmeldung, dass der Migrantinnen*März 2020 ein großes Erfolgserlebnis für uns alle war.

Deshalb wird DaMigra mit ihren Mitgliedsorganisationen auch im März 2021 den Migrantinnen*märz ausrufen – feministisch, antirassistisch und solidarisch auf Augenhöhe!

Downloads zum Migrantinnen*März 2020

DaMigras Aufruf zum Migrantinnen*märz 2020
DaMigras Statement zum Frauen*kampftag_Abschlusskundgebung in Berlin (08.03.2020)
DaMigras Migrantinnen*März 2020 – der Bericht