Am 8. März 2018 kritisierte Claudia Hennen in einem Radiobeitrag im Deutschlandfunk die Schutzräume des Literaturfestivals q[lit]* clgn. Dabei sind feministische Schutzräume eng mit Empowermentgedanken verknüpft.

Feministische Schutzräume sind kein Konzept, der von uns DaMigra e.V. erfunden wurde, sondern existieren schon seit den 60er Jahren. Hätte sie es aber nicht gegeben, hätten wir sie sehr wahrscheinlich erfunden.

Am 06. März 2018 las Susan Bagdach aus ihrem Kinderbuch „die Wiese“ in den Räumen des interkulturellen Frauen- und Mädchen-Gesundheitszentrums Holla e.V. in Köln. Die Lesung fand im Rahmen des Festivals q[lit]* clgn statt und war ausschließlich für Frauen* und Kinder geöffnet. Wir feiern und schätzen es sehr, dass q[lit]* clgn, das erste per Definition feministische Literaturfestival Deutschlands, Schutzräume als Konzept praktizierte. Außerdem freuen wir uns, dass ein Literaturfestival ins Leben gerufen wurde, um genderqueere Autor*innen, Schwarze Frauen* und Women* of Color im deutschen Literaturbetrieb sichtbarer zu machen.

Am 8. März wurde dieser Schutzraum in einem Radiobeitrag der Sendung “Lesart” auf Deutschlandfunk kritisiert. Laut der Redakteurin* Claudia Hennen, die als Teilnehmerin* einer Lesung anwesend war, auf die keine Männer Zutritt erhielten, werde das Festival „dem Anspruch, ein Bewusstsein für Realitätsvielfalt und Demokratie zu fördern (…) nicht gerecht“. Wir schließen aus diesem Fazit, dass eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem feministischen Schutzraumkonzept seitens der Redaktion „Lesart“ leider fehlt. Gerne laden wir Frau Hennen und ihr Team dazu ein, mit uns ins Gespräch zu kommen. Bei Interesse empfehlen wir die Lektüre des Readers „Empowerment in Bezug auf Rassismus und Transphobie in Lesbischen Kontexten“, herausgegeben von unserer Mitgliedsorganisation LesMigras e.V.: https://lesmigras.de/tl_files/lesmigras/Tapesh/LM_Broschuere_Tapesh_einzelseiten_korrigiert.pdf.

Feministische Schutzräume sind eng mit dem Empowermentgedanken verknüpft. In einer patriarchalen Gesellschaft, die auf normativer Zweigeschlechtlichkeit basiert und der Weiblichkeit negative Merkmale zuschreibt, sind Räume, zu denen Männer keinen Zugang haben, wichtige Erfahrungsorte. Frauen* können sich hier in Abwesenheit von männlicher Bewertung selbstbestimmt mit ihren Themen auseinandersetzen. Wir glauben nicht, dass Schutzräume machtfrei sind, jedoch haben wir in unserer feministischen Arbeit sehr positive Erfahrungen damit machen dürfen.

DaMigra e.V. versteht sich als Sprachrohr der Belange von Migrantinnen*, geflüchteten Frauen* und Frauen* of Color in Deutschland. Wir begrüßen die Initiative des Festivals q[lit]* clgn, auf strukturelle Ausschließungsmechanismen speziell im Literaturbetrieb hinzuweisen und darüber hinaus intersektional-feministischen Autorinnen* eine Bühne zu bieten, die ein Publikum bedienen, das sich für deutschsprachige intersektionale feministische Literatur interessiert.

Wir wünschen den Initiatorinnen* des Festivals weiterhin viel Erfolg und möchten mit unserer Unterstützung darauf hinwirken, dass sich neben Köln in Zukunft weitere Veranstaltungsorte anschließen werden.

Berlin, den 03.04.2018

DaMigra e.V.

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