Mehrfachdiskriminierung macht sich auf dem Arbeitsmarkt und im Geldbeutel bemerkbar

21 Prozent – so groß ist der Lohnunterschied zwischen Frauen* und Männern* laut Statistischem Bundesamt derzeit in Deutschland. Der Dachverband der Migrantinnen*organisationen (DaMigra e.V.) weist anlässlich des Equal Pay Day am 18. März darauf hin, dass Migrantinnen* noch weitaus stärker von Lohndiskriminierung auf dem Arbeitsmarkt betroffen sind, als herkunftsdeutsche Frauen. Schon 2008 zeigte eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung, dass die Lohnlücke zwischen herkunftsdeutschen Männern* und Migrantinnen* bei 11, und herkunftsdeutschen Frauen* und Migrantinnen* bei 20 Prozent liegt. Addiert man Geschlechterlohnlüche zu Migrationslohnlücke, so kommt man auf die wahren Dimensionen der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt.

Die Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt gegenüber Frauen* mit Migrations- und Fluchtgeschichte ist strukturell. So sind Migrantinnen* etwa besonders oft im Niedriglohnsektor beschäftigt – auch wenn sie oft sehr gut qualifiziert sind. Auch Probleme bei der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse verhindern den Zugang zum Arbeitsmarkt. DaMigra macht darauf aufmerksam, dass die Anerkennungsquoten ausländischer Abschlüsse in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sind. Und: Für bestimmte Berufsgruppen, wie etwa Lehrer*innen, Ingenieur*innen oder Erzieher*innen, gibt es keine bundesweit einheitliche Regelung zur Anerkennung der Berufsausbildung. Stattdessen variieren die Prozesse zwischen den Bundesländern und auch die Quote der vollständig anerkannten Abschlüsse bewegt sich zwischen 36% in Berlin und Brandenburg und 80% in Thüringen. „Diese Anerkennungsprozesse müssen endlich vereinheitlicht werden,“ fordert DaMigra Geschäftsführerin Dr. Delal Atmaca. „Es kann nicht angehen, dass die Wahrscheinlichkeit, einen Abschluss anerkannt zu bekommen vom Bundesland abhängt, in dem man lebt. Außerdem muss sichergestellt werden, dass die Informationsstellen vor Ort auch interkulturell kompetent sind.“

Ein weiteres Problem bei der Arbeitsmarktintegration: Es gibt kaum spezifische Angebote für geflüchtete Frauen, obwohl deren Erwerbsbeteiligung deutlich niedriger ist, als die geflüchteter Männer. „Viele dieser Frauen* waren vor ihrer Flucht berufstätig oder selbstständig. Im Zuge der Migration gelangen sie dann in Abhängigkeitsverhältnisse und finden sich oft in traditionellen Geschlechterrollen wieder. Ohne staatliche Hilfen können sie sich selbst und ihre Familien nicht mehr versorgen“, so Dr. Atmaca. „Diese Frauen* müssen ihre Fähigkeiten endlich wieder einsetzen können und so mehr Unabhängigkeit gewinnen.“ Außerdem: Bei Frauen* mit Flucht- und Migrationsgeschichte mit Hochschlussabschlüssen kommen die Vorurteile aufgrund ihrer ethnischen und religiösen Identität hinzu, dass sie für unqualifiziert und bevormundet gehalten und in passiven Rollen gedrängt werden.

Equal Pay Day für Herkunftsdeutsche ist am 18. März. Aufgrund der Migrationslohnlücke arbeiten Migrantinnen* fast 77 Tage im Jahr umsonst. Kommt der Equal Pay Day für alle erst im Sommer? Wenn wir am Equal Pay Day über gleiche und gerechte Löhne diskutieren, müssen wir diese für ALLE Frauen* einfordern! DaMigra pocht nicht nur auf einen gleichen und gerechten Lohn für Frauen* und Männer*, Migrant*innen und Herkunftsdeutsche, sondern dringt auch auf einfacherer und einheitliche Zugänge zum Arbeitsmarkt.

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