Eine vollgeschriebene Tischdecke mit Forderungen

Im Migrantinnen*März haben Frauen* mit Migrations- und Fluchtgeschichte ihre politische und gesellschaftliche Teilhabe eingefordert und ihre Belange sichtbar gemacht. Nun ist es an der Zeit, dass Politik und Gesellschaft diesen Anstoß aufgreifen.

„Du fühlst dich gebraucht, du kannst deine Meinung sagen, du kannst mitgestalten im Leben.“ So schildert eine migrierte Frau* die Erfahrung, als sie in Deutschland zum ersten Mal wählen durfte. Im Rahmen des Migrantinnen*März wurde sie vom Dachverband der Migrantinnen*organisationen (DaMigra) und Kooperationspartnerinnen zum Motto „100 Jahre Frauenwahlrecht – für alle?“ interviewt. Die Interviews waren eine von 50 Aktionen im Migrantinnen*März, bei denen Frauen* mit Flucht- und Migrationsgeschichte ihre Forderungen für mehr Teilhabe in Politik und Gesellschaft formulieren und ihnen Nachdruck verleihen konnten.

Diese Forderungen wurden im Migrantinnen*März auch auf die Straße gebracht. Bei der Internationalistischen Frauen*kampf Demonstration am 8. März in Berlin pochte DaMigra auf die Ausweitung des Wahlrechts für Drittstaatsangehörige auf kommunaler Ebene. „Frauen* mit Migrations- und Fluchtgeschichte müssen auch politisch an den Räumen teilhaben in denen sie leben,“ forderte DaMigra Gesamtkoordinatorin Małgorzata Gedlek unter dem Applaus hunderter Demonstrant*innen.

Bei zahlreichen Straßenaktionen wurde bundesweit der Austausch mit den Menschen gesucht und auf die fehlenden Möglichkeiten für politische Partizipation hingewiesen. Die Deutsche Welle berichtete darüber auf ihrer arabischsprachigen Seite. Bei einer Vielzahl von weiteren Workshops, Erzählcafés und Infoveranstaltungen diskutierten Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte auch Themen wie Frauen*rechte und Lohngerechtigkeit. „Solidarität – Helfen – Zuhören“, so formulierte eine Frau* beim Mitmach-Buffet in Frankfurt am Main ihre Forderungen an die deutsche Gesellschaft.

Zum Weltfrauen*tag veröffentlichte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge außerdem ein Interview mit DaMigra Geschäftsführerin Dr. Delal Atmaca. Sie machte deutlich, dass Migrantinnen*selbstorganisationen politische Räume sind. Das Engagement von Migrantinnen* in diesen Organisationen müsse deshalb nachhaltig gesichert werden. „Die meisten Organisationen arbeiten unter äußerst prekären Bedingungen. Sie brauchen eine öffentliche Anerkennung und staatliche Fördermittel, um ihre Arbeit aufrecht zu erhalten und auszubauen“, so Atmaca.

Frauen mit Migrations- und Fluchtgeschichte haben im Migrantinnen*März deutlich gemacht, dass sie mehr politische und gesellschaftliche Teilhabe wollen. Sie wollen dieses Land aktiv und nachhaltig mitgestalten. Nun müssen Politik und Gesellschaft auch die Weichen stellen, damit diese Forderung endlich Realität werden können.

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